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Der Affe als Mensch
Herr! Ich bin ein Deutscher von Geburt, und habe mich in Euren Landen zu kurz aufgehalten,
als daß ich ein persisches Märchen, oder eine ergötzliche Geschichte von Sultanen und
Vezieren erzählen könnte. Ihr müßt mir daher schon erlauben, daß ich etwas aus meinem
Vaterland erzähle, was Euch vielleicht auch einigen Spaß macht. Leider sind unsere
Geschichten nicht immer so vornehm wie die Euern, das heißt, sie handeln nicht von
Sultanen oder unseren Königen, nicht von Vezieren und Paschas, was man bei uns Justiz-
und Finanzminister, auch Geheimeräte und dergleichen nennt, sondern sie leben, wenn sie
nicht von Soldaten handeln, gewöhnlich ganz bescheiden und unter den Bürgern.
Im südlichen Teil von Deutschland liegt das Städtchen Grünwiesel, wo ich geboren und
erzogen bin. Es ist ein Städtchen, wie sie alle sind. In der Mitte ein kleiner Marktplatz mit
einem Brunnen, an der Seite ein kleines, altes Rathaus, umher auf dem Markt das Haus des
Friedensrichters und der angesehensten Kaufleute, und in ein paar engen Straßen wohnen
die übrigen Menschen. Alles kennt sich, jedermann weiß, wie es da und dort zugeht, und
wenn der Oberpfarrer, oder der Bürgermeister, oder der Arzt ein Geric ht mehr auf der Tafel
hat, so weiß es schon am Mittagessen die ganze Stadt. Nachmittags kommen dann die
Frauen zueinander in die Visite, wie man es nennt, besprechen sich bei starkem Kaffee und
süßem Kuchen über diese große Begebenheit, und der Schluß ist, daß der Oberpfarrer
wahrscheinlich in die Lotterie gesetzt und unchristlich viel gewonnen habe, daß der
Bürgermeister sich "schmieren" lasse, oder daß der Doktor vom Apotheker einige
Goldstücke bekommen habe, um recht teure Rezepte zu verschreiben. Ihr könnet Euch
denken, Herr, wie unangenehm es für eine so wohleingerichtete Stadt wie Grünwiesel sein
mußte, als ein Mann dorthin zog, von dem niemand wußte, woher er kam, was er wollte, von
was er lebte? Der Bürgermeister hatte zwar seinen Paß gesehen, ein Papier, das bei uns
jedermann haben muß -
"Ist es denn so unsicher auf den Straßen", unterbrach den Sklaven der Scheik, "daß ihr
einen Ferman eures Sultan haben müsset, um die Räuber in Respekt zu setzen?"
"Nein, Herr", entgegnete jener, "diese Papiere halten keinen Dieb von uns ab, sondern es ist
nur der Ordnung wegen, daß man überall weiß, wen man vor sich hat." Nun, der
Bürgermeister hatte den Paß untersucht, und in einer Kaffeegesellschaft bei Doktors
geäußert, der Paß sei zwar ganz richtig visiert von Berlin bis nach Grünwiesel, aber es
stecke doch was dahinter; denn der Mann sehe etwas verdächtig aus. Der Bürgermeister
hatte das größte Ansehen in der Stadt, kein Wunder, daß von da an der Fremde als eine
verdächtige Person angesehen wurde. Und sein Lebenswandel konnte meine Landsleute
nicht von dieser Meinung abbringen. Der fremde Mann mietete sich für einige Goldstücke ein
ganzes Haus, das bisher öde gestanden, ließ einen ganzen Wagen voll sonderbarer
Gerätschaften, als Öfen, Kunstherde, große Tiegel und dergleichen hineinschaffen, und lebte
von da an ganz für sich allein. Ja, er kochte sich sogar selbst, und es kam keine menschliche
Seele in sein Haus, als ein alter Mann aus Grünwiesel, der ihm seine Einkäufe in Brot,
Fleisch und Gemüse besorgen mußte; doch, auch dieser durfte nur in die Flur des Hauses
kommen, und dort nahm der fremde Mann das Gekaufte in Empfang.
Ich war ein Knabe von zehn Jahren, als der Mann in meiner Vaterstadt einzog, und ich kann
mir noch heute, als wäre es gestern geschehen, die Unruhe denken, die dieser Mann im
Städtchen verursachte. Er kam nachmittags nicht wie andere Männer, auf die Kugelbahn, er
kam abends nicht ins Wirtshaus, um, wie die übrigen, bei einer Pfeife Tabak über die Zeitung
zu sprechen. Umsonst lud ihn nach der Reihe der Bürgermeister, der Friedensrichter, der
Doktor und der Oberpfarrer zum Essen oder Kaffee ein, er ließ sich im mer entschuldigen.
Daher hielten ihn einige für verrückt, andere für einen Juden, eine dritte Partie behauptete
steif und fest, er sei ein Zauberer oder Hexenmeister. Ich wurde achtzehn, zwanzig Jahre alt,
und noch immer hieß der Mann in der Stadt "der fremde Herr".
Es begab sich aber eines Tages, daß Leute mit fremden Tieren in die Stadt kamen. Es ist
dies hergelaufenes Gesindel, das ein Kamel hat, welches sich verbeugen kann, einen Bären,
der tanzt, einige Hunde und Affen, die in menschlichen Kleidern komisch genug aussehen
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