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"Schon gut, schon gut", unterbrach ihn der Scheik lachend, und winkte den zweiten herbei.
"Wer bist denn du?" fragte er ihn.
"Herr, ich bin meines Amtes der Gehilfe eines Arztes, und habe selbst schon einige Kranke
geheilt."
"Richtig", erwiderte der Scheik, "und Ihr seid es auch, der das Wohlleben liebet; Ihr möchtet
gerne mit guten Freunden hier und da tafeln und guter Dinge sein? Nicht wahr, ich habe es
erraten?"
Der junge Mann war beschämt, er fühlte, daß er verraten war, und daß der Alte auch von
ihm dem Scheik gebeichtet haben mußte. Er faßte sich aber ein Herz und antwortete: "O ja,
Herr, ich rechne es unter des Lebens Glückseligkeiten, hier und da mit guten Freunden
fröhlich sein zu können. Mein Beutel reicht nun zwar nicht weiter hin, als meine Freunde mit
Wassermelonen oder dergleichen wohlfeilen Sachen zu bewirten; doch sind wir auch dabei
fröhlich, und es läßt sich denken, daß wir es noch um ein gutes Teil mehr wären, wenn ich
mehr Geld hätte."
Dem Scheik gefiel diese beherzte Antwort, und er konnte sich nicht enthalten, darüber zu
lachen. "Welcher ist denn der junge Kaufmann?" fragte er weiter. Der junge Kaufmann
verbeugte sich mit freiem Anstand vor dem Scheik; denn er war ein Mensch von guter
Erziehung; der Scheik aber sprach: "Und Ihr? Ihr habt Freude an Musik und Tanz? Ihr höret
es gerne, wenn gute Künstler etwas spielen und singen, und sehet gerne Tänzer künstliche
Tänze ausführen?"
Der junge Kaufmann antwortete: "Ich sehe wohl, o Herr, daß jener alte Mann, um Euch zu
belustigen, unsere Torheiten insgesamt verraten hat. Wenn es ihm gelang, Euch dadurch
aufzuheitern, so habe ich gerne zu Eurem Scherz gedient. Was aber Musik und Tanz betrifft,
so gestehe ich, es gibt nicht leicht etwas, was mein Herz also vergnügt. Doch glaubet nicht,
daß ich deswegen Euch tadle, o Herr, wenn Ihr nicht ebenfalls -"
"Genug, nicht weiter!" rief der Scheik, lächelnd mit der Hand abwehrend; "jeder nach seiner
Weise, wollet Ihr sagen; aber dort steht ja noch einer; das ist wohl der, welcher so gerne
reisen möchte? Wer seid denn Ihr, junger Herr?"
"Ich bin ein Maler, o Herr", antwortete der junge Mann; "ich male Landschaften teils an die
Wände der Säle, teils auf Leinwand. Fremde Länder zu sehen ist allerdings mein Wunsch,
denn man sieht dort allerlei schöne Gegenden, die man wieder anbringen kann; und was
man sieht und abzeichnet, ist doch in der Regel immer schöner, als was man nur so selbst
erfindet."
Der Scheik betrachtete jetzt die schönen, jungen Leute, und sein Blick wurde ernst und
düster. "Ich hatte einst auch einen lieben Sohn", sagte er, "und er müßte nun auch so
herangewachsen sein wie ihr. Da solltet ihr seine Genossen und Begleiter sein, und jeder
eurer Wünsche würde von selbst befriedigt werden. Mit jenem würde er lesen, mit diesem
Musik hören, mit dem andern würde er gute Freunde einladen, und fröhlich und guter Dinge
sein, und mit dem Maler ließe ich ihn ausziehen in schöne Gegenden, und wäre dann gewiß,
daß er immer wieder zu mir zurückkehrte. So hat es aber Allah nich t gewollt, und ich füge
mich in seinen Willen ohne Murren. Doch, es steht in meiner Macht, eure Wünsche dennoch
zu erfüllen, und ihr sollet freudigen Herzens von Ali Banu gehen. Ihr, mein gelehrter Freund",
fuhr er fort, indem er sich zu dem Schreiber wandte, "wohnet von jetzt an in meinem Hause,
und seid über meine Bücher gesetzt. Ihr könnet noch dazu anschaffen, was Ihr wollet und für
gut haltet, und Euer einziges Geschäft sei, mir, wenn Ihr etwas recht Schönes gelesen habt,
zu erzählen. Ihr, der Ihr eine gute Tafel unter Freunden liebet, Ihr sollet der Aufseher über
meine Vergnügungen sein. Ich selbst zwar lebe einsam und ohne Freude, aber es ist meine
Pflicht, und mein Amt bringt es mit sich, hie und da viele Gäste einzuladen. Dort sollet Ihr an
meiner Stelle alles besorgen, und könnet von Euren Freunden dazu einladen, wen Ihr nur
wollet; versteht sich, auf etwas Besseres, als Wassermelonen. Den jungen Kaufmann da
darf ich freilich seinem Geschäft nicht entziehen, das ihm Geld und Ehre bringt; aber alle
Abende stehen Euch, mein junger Freund, Tänzer, Sänger und Musikanten zu Dienste, so
viel Ihr wollet. Lasset Euch aufspielen und tanzen nach Herzenslust. Und Ihr", sprach er zu
dem Maler, "Ihr sollet fremde Länder sehen, und das Auge durch Erfahrung schärfen. Mein
Schatzmeister wird Euch zu der ersten Reise, die Ihr morgen antreten könnet, tausend
Goldstücke reichen, nebst zwei Pferden und einem Sklaven. Reiset, wohin Euch das Herz
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