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und allerlei Künste machen. Diese Leute durchziehen gewöhnlich die Stadt, halten an den
Kreuzstraßen und Plätzen, machen mit einer kleinen Trommel und einer Pfeife eine
übeltönende Musik, lassen ihre Truppe tanzen und springen, und sammeln dann in den
Häusern Geld ein. Die Truppe aber, die diesmal sich in Grünwiesel sehen ließ, zeichnete
sich durch einen ungeheuren Orang-Utan aus, der beinahe Menschengröße hatte, auf zwei
Beinen ging, und allerlei artige Künste zu machen verstand. Diese Hunds - und
Affenkomödie kam auch vor das Haus des fremden Herrn; er erschien, als die Trommel und
Pfeife ertönte, von Anfang ganz unwillig hinter den dunkeln, vom Alter angelaufenen
Fenstern; bald aber wurde er freundlicher, schaute zu jedermanns Verwundern zum Fenster
heraus, und lachte herzlich über die Künste des Orang-Utans; ja, er gab für den Spaß ein so
großes Silberstück, daß die ganze Stadt davon sprach.
Am andern Morgen zog die Tierbande weiter; das Kamel mußte viele Körbe tragen, in
welchen die Hunde und Affen ganz bequem saßen, die Tiertreiber aber und der große Affe
gingen hinter dem Kamel. Kaum aber waren sie einige Stunden zum Tore hinaus, so
schickte der fremde Herr auf die Post, verlangte zu großer Verwunderung des Postm eisters
einen Wagen und Extrapost, und fuhr zu demselben Tor hinaus, den Weg hin, den die Tiere
genommen hatten. Das ganze Städtchen ärgerte sich, daß man nicht erfahren konnte, wohin
er gereist sei. Es war schon Nacht, als der fremde Herr wieder im Wagen vor dem Tor
ankam; es saß aber noch eine Person im Wagen, die den Hut tief ins Gesicht gedrückt, und
um Mund und Ohren ein seidenes Tuch gebunden hatte. Der Torschreiber hielt es für seine
Pflicht, den andern Fremden anzureden und um seinen Paß zu bitten; er antwortete aber
sehr grob, indem er in einer ganz unverständlichen Sprache brummte.
"Es ist mein Neffe", sagte der fremde Mann freundlich zum Torschreiber, indem er ihm einige
Silbermünzen in die Hand drückte, "es ist mein Neffe, und versteht bis dato noch wenig
Deutsch; er hat soeben in seiner Mundart ein wenig geflucht, daß wir hier aufgehalten
werden."
"Ei, wenn es Dero Neffe ist", antwortete der Torschreiber, "so kann er wohl ohne Paß
hereinkommen; er wird wohl ohne Zweifel bei Ihnen wohnen?"
"Allerdings", sagte der Fremde; "und hält sich wahrscheinlich längere Zeit hier auf."
Der Torschreiber hatte keine weitere Einwendung mehr, und der fremde Her r und sein Neffe
fuhren ins Städtchen. Der Bürgermeister und die ganze Stadt waren übrigens nicht sehr
zufrieden mit dem Torschreiber. Er hätte doch wenigstens einige Worte von der Sprache des
Neffen sich merken sollen; daraus hätte man dann leicht erfahren, was für ein Landeskind er
und der Herr Oncle wäre. Der Torschreiber versicherte aber, daß es weder französisch noch
italienisch sei, wohl aber habe es so breit geklungen wie englisch, und wenn er nicht irre, so
habe der junge Herr gesagt: "God damn!" So half der Torschreiber sich selbst aus der Not,
und dem jungen Mann zu einem Namen; denn man sprach jetzt nur von dem jungen
Engländer im Städtchen.
Aber auch der junge Engländer wurde nicht sichtbar, weder auf der Kugelbahn, noch im
Bierkeller, wohl aber gab er den Leuten auf andere Weise viel zu schaffen. - Es begab sich
nämlich oft, daß in dem sonst so stillen Hause des Fremden ein schreckliches Geschrei und
ein Lärm ausging, daß die Leute haufenweise vor dem Hause stehenblieben, und
hinaufsahen. Man sah dann den jungen Engländer, angetan mit einem roten Frack und
grünen Beinkleidern, mit struppigtem Haar und schrecklicher Miene, unglaublich schnell an
den Fenstern hin und her, durch alle Zimmer laufen; der alte Fremde lief ihm in einem roten
Schlafrock, eine Hetzpeitsche in der Hand, nach, verfehlte ihn oft, aber einigemal kam es
doch der Menge auf der Straße vor, als müsse er den Jungen erreicht haben; denn man
hörte klägliche Angsttöne und klatschende Peitschenhiebe die Menge. An dieser grausamen
Behandlung des fremden jungen Mannes nahmen die Frauen des Städtchens so lebhaften
Anteil, daß sie endlich den Bürgermeister bewogen, einen Schritt in der Sache zu tun. Er
schrieb dem fremden Herrn ein Billett, worin er ihm die unglimpfliche Behandlung seines
Neffen in ziemlich derben Ausdrücken vorwarf und ihm drohte, wenn noch ferner solche
Szenen vorfielen, den jungen Mann unter seinen besonderen Schutz zu nehmen.
Wer war aber mehr erstaunt als der Bürgermeister, wie er den Fremden selbst, zum
erstenmal seit zehn Jahren, bei sich eintreten sah. Der alte Herr entschuldigte sein
Verfahren mit dem besonderen Auftrag der Eltern des Jünglings, die ih m solchen zu
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