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erziehen gegeben; er sei sonst ein kluger, anstelliger Junge, äußerte er, aber die Sprachen
erlerne er sehr schwer; er wünsche so sehnlich, seinem Neffen das Deutsche recht geläufig
beizubringen, um sich nachher die Freiheit zu nehmen, ihn in die Gesellschaften von
Grünwiesel einzuführen, und dennoch gehe demselben diese Sprache so schwer ein, daß
man oft nichts Besseres tun könne, als ihn gehörig durchzupeitschen. Der Bürgermeister
fand sich durch diese Mitteilung völlig befriedigt, riet dem Alten zur Mäßigung, und erzählte
abends im Bierkeller; daß er selten einen so unterrichteten, artigen Mann gefunden, als den
Fremden. "Es ist nur schade", setzte er hinzu, "daß er so wenig in Gesellschaft kommt; doch,
ich denke, wenn der Neffe nur erst ein wenig Deutsch spricht, besucht er meine Cercles
öfter."
Durch diesen einzigen Vorfall war die Meinung des Städtchens völlig umgeändert. Man hielt
den Fremden für einen artigen Mann, sehnte sich nach seiner näheren Bekanntschaft und
fand es ganz in der Ordnung, wenn hie und da in dem öden Hause ein gräßliches Geschrei
aufging. "Er gibt dem Neffen Unterricht in der deutschen Sprachlehre", sagten die
Grünwieseler, und blieben nicht mehr stehen. Nach einem Vierteljahr ungefähr schien der
Unterricht im Deutschen beendigt; denn der Alte ging jetzt um eine Stufe weiter vor. Es lebte
ein alter, gebrechlicher Franzose in der Stadt, der den jungen Leuten Unterricht im Tanzen
gab; diesen ließ der Fremde zu sich rufen, und sagte ihm, daß er seinen Neffen im Tanzen
unterrichten lassen wolle. Er gab ihm zu verstehen, daß derselbe zwar sehr gelehrig, aber,
was das Tanzen betreffe, etwas eigensinnig sei; er habe nämlich früher bei einem anderen
Meister tanzen gelernt, und zwar nach so sonderbaren Touren, daß er sich nicht füglich in
der Gesellschaft produzieren könne; der Neffe halte sich aber eben deswegen für einen
großen Tänzer, obgleich sein Tanz nicht die entfernteste Ähnlichkeit mit Walzer oder Galopp
(Tänze, die man in meinem Vaterlande tanzt, o Herr!) nicht einmal Ähnlichkeit mit Ekossaise
oder Française habe. Er versprach übrigens einen Taler für die Stunde, und der Tanzmeister
war mit Vergnügen bereit, den Unterricht des eigensinnigen Zöglings zu übernehmen.
Es gab, wie der Franzose unterderhand versicherte, auf der Welt nichts so Sonderbares, als
diese Tanzstunden. Der Neffe, ein ziemlich großer, schlanker, junger Mann, der nur etwas
sehr kurze Beine hatte, erschien in einem roten Frack, schön frisiert, in grünen, weiten
Beinkleidern und glacierten Handschuhen. Er sprach wenig und mit fremdem Akzent, war
von Anfang ziemlich artig und anstellig; dann verfiel er aber oft plötzlich in fratzenhafte
Sprünge, tanzte die kühnsten Touren, wobei er Entrechats machte, daß dem Tanzmeister
Hören und Sehen verging; wollte er ihn zurechtweisen, so zog er die zierlichen Tanzschuhe
von den Füßen, warf sie dem Franzosen an den Kopf, und setzte nun auf allen vieren im
Zimmer umher. Bei diesem Lärm fuhr dann der alte Herr plötzlich in einem weiten, roten
Schlafrock, eine Mütze von Goldpapier auf dem Kopf, aus seinem Zimmer heraus, und ließ
die Hetzpeitsche ziemlich unsanft auf den Rücken des Neffen niederfallen. Der Neffe fing
dann an schrecklich zu heulen, sprang auf Tische und hohe Kommoden, ja selbst an den
Kreuzstöcken der Fenster hinauf, und sprach eine fremde seltsame Sprache. Der Alte im
roten Schlafrock aber ließ sich nicht irremachen, faßte ihn am Bein, riß ihn herab, bleute ihn
durch, und zog ihm mittelst einer Schnalle die Halsbinde fester an, worauf er immer wieder
artig und manierlich wurde, und die Tanzstunde ohne Störung weiterging.
Als aber der Tanzmeister seinen Zögling so weit gebracht hatte, daß man Musik zu der
Stunde nehmen konnte, da war der Neffe wie umgewandelt. Ein Stadtmusikant wurde
gemietet, der im Saal des öden Hauses auf einen Tisch sich setzen mußte. Der Tanzmeister
stellte dann die Dame vor, indem ihn der alte Herr einen Frauenrock von Seide und ein en
ostindischen Shawl anziehen ließ; der Neffe forderte ihn auf, und fing nun an mit ihm zu
tanzen und zu walzen; er war aber ein unermüdlicher, rasender Tänzer, er ließ den Meister
nicht aus seinen langen Armen, ob er ächzte und schrie, er mußte tanzen bis er ermattet
umsank, oder bis dem Stadtmusikus der Arm lahm wurde an der Geige. Den Tanzmeister
brachten diese Unterrichtsstunden beinahe unter den Boden, aber der Taler, den er
jedesmal richtig ausbezahlt bekam, der gute Wein, den der Alte aufwartete, machten, daß er
immer wiederkam, wenn er auch den Tag zuvor sich fest vorgenommen hatte, nicht mehr in
das öde Haus zu gehen.
Die Leute in Grünwiesel sahen aber die Sache ganz anders an, als der Franzose. Sie
fanden, daß der junge Mann viele Anlage zum Gesellschaftlichen habe, und die
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