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Frauenzimmer im Städtchen freuten sich, bei dem großen Mangel an Herren, einen so
flinken Tänzer für den nächsten Winter zu bekommen.
Eines Morgens berichteten die Mägde, die vom Markte heimkehrten, ihren Herrschaften ein
wunderbares Ereignis. Vor dem öden Hause sei ein prächtiger Glaswagen gestanden, mit
schönen Pferden bespannt, und ein Bedienter in reicher Livree habe den Schlag gehalten.
Da sei die Türe des öden Hauses aufgegangen, und zwei schön gekleidete Herren
herausgetreten, wovon der eine der alte Fremde, und der andere wahrscheinlich der junge
Herr gewesen, der so schwer Deutsch gelernt, und so rasend tanze. Die beiden seien in den
Wagen gestiegen, der Bediente hinten aufs Brett gesprungen, und der Wagen, man stelle
sich vor! sei geradezu auf Bürgermeisters Haus zugefahren.
Als die Frauen solches von ihren Mägden erzählen hörten, rissen sie eilends die
Küchenschürzen und die etwas unsauberen Hauben ab, und versetzten sich in Staat. "Es ist
nichts gewisser", sagten sie zu ihrer Familie, indem alles umherrannte, um das
Besuchzimmer, das zugleich zu sonstigem Gebrauch diente, aufzuräumen, "es ist nichts
gewisser, als daß der Fremde jetzt seinen Neffen in die Welt einführt. Der alte Narr war zwar
seit zehn Jahren nicht so artig, einen Fuß in unser Haus zu setzen, aber es sei ihm wegen
des Neffen verziehen, der ein charmanter Mensch sein soll." So sprachen sie, und
ermahnten ihre Söhne und Töchter, recht manierlich auszusehen, wenn die Fremden kämen,
sich gerade zu halten, und sich auch einer besseren Aussprache zu bedienen als
gewöhnlich. Und die klugen Frauen im Städtchen hatten nicht unrecht geraten; denn nach
der Reihe fuhr der alte Herr mit seinem Neffen umher, sich und ihn in die Gewogenheit der
Familien zu empfehlen.
Man war überall ganz erfüllt von den beiden Fremden, und bedauerte, nicht schon früher
diese angenehme Bekanntschaft gemacht zu haben. Der alte Herr zeigte sich als ein
würdiger, sehr vernünftiger Mann, der zwar bei allem, was er sagte , ein wenig lächelte, so
daß man nicht gewiß war, ob es ihm ernst sei oder nicht, aber er sprach über das Wetter,
über die Gegend, über das Sommervergnügen auf dem Keller am Berge so klug und
durchdacht, daß jedermann davon bezaubert war. Aber der Neffe! Er bezauberte alle s, er
gewann alle Herzen für sich. Man konnte zwar, was sein Äußeres betraf, sein Gesicht nicht
schön nennen; der untere Teil, besonders die Kinnlade, stand allzusehr hervor, und der Teint
war sehr bräunlich, auch machte er zuweilen allerlei sonderbare Grimassen, drückte die
Augen zu und fletschte mit den Zähnen; aber dennoch fand man den Schnitt seiner Züge
ungemein interessant. Es konnte nichts Beweglicheres, Gewandteres geben als seine
Gestalt. Die Kleider hingen ihm zwar etwas sonderbar am Leib, aber es stand ihm alles
trefflich; er fuhr mit großer Lebendigkeit im Zimmer umher, warf sich hier in einen Sofa, dort
in einen Lehnstuhl, und streckte die Beine von sich; aber was man bei einem andern jungen
Mann höchst gemein und unschicklich gefunden hätte, galt bei dem Neffen für Genialität. "Er
ist ein Engländer", sagte man, "so sind sie alle; ein Engländer kann sich aufs Kanapee legen
und einschlafen, während zehn Damen keinen Platz haben und umherstehen müssen,
einem Engländer kann man so etwas nicht übelnehmen." Gegen den alten Herrn, seinen
Oheim, war er sehr fügsam; denn wenn er anfing, im Zimmer umherzuhüpfen, oder, wie er
gerne tat, die Füße auf den Sessel hinaufzuziehen, so reichte ein ernsthafter Blick hin, ihn
zur Ordnung zu bringen. Und wie konnte man ihm so etwas übelnehmen, als vollends der
Onkel in jedem Haus zu der Dame sagte: "Mein Neffe ist noch ein wenig roh und ungebildet,
aber ich verspreche mir viel von der Gesellschaft, die wird ihn gehörig formen und bilden,
und ich empfehle ihn namentlich Ihnen aufs angelegenste."
So war der Neffe also in die Welt eingeführt, und ganz Grünwiesel sprach an diesem und
den folgenden Tagen von nichts anderem, als von diesem Ereignis. Der alte Herr blieb aber
hierbei nicht stehen; er schien seine Denk- und Lebensart gänzlich geändert zu haben.
Nachmittags ging er mit dem Neffen hinaus in den Felsenkeller am Berge, wo die
vornehmeren Herren von Grünwiesel Bier tranken, und sich am Kugelschieben ergötzten.
Der Neffe zeigte sich dort als einen flinken Meister im Spiel; denn er warf nie unter fünf oder
sechs; hie und da schien zwar ein sonderbarer Geist über ihn zu kommen; es konnte ihm
einfallen, daß er pfeilschnell mit der Kugel hinaus- und unter die Kegel hineinfuhr, und dort
allerhand tollen Rumor anrichtete, oder, wenn er den Kranz oder den König geworfen, stand
er plötzlich auf seinem schön frisierten Haar und streckte die Beine in die Höhe, oder wenn
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