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Baßarie, ja sogar während der Doktor auf dem Fagott phantasierte, und alles den Atem
anhielt und lauschte, ließ der Neffe den Hund das Schnupftuch apportieren, oder schwatzte
ganz laut mit seinen Nachbarn, so daß jedermann, der ihn nicht kannte, über die
absonderlichen Sitten des jungen Herrn sich wunderte.
Kein Wunder daher, daß alles sehr begierig war, wie er sein Duett vortragen würde; die
zweite Abteilung begann; die Stadtmusikanten hatten etwas weniges aufgespielt, und nun
trat der Bürgermeister mit seiner Tochter zu dem jungen Mann, über reichte ihm ein
Notenblatt und sprach: "Mosjöh, wäre es Ihnen jetzt gefällig, das Duetto zu singen?" Der
junge Mann lachte, fletschte mit den Zähnen, sprang auf, und die beiden andern folgten ihm
an das Notenpult, und die ganze Gesellschaft war voll Erwartung. Der Org anist schlug den
Takt und winkte dem Neffen, anzufangen. Dieser schaute durch seine großen Brillengläser in
die Noten und stieß greuliche, jämmerliche Töne aus. Der Organist aber schrie ihm zu: "Zwei
Töne tiefer, Wertester, C müssen Sie singen, C!"
Statt aber C zu singen, zog der Neffe einen seiner Schuhe ab, und warf ihn dem Organisten
an den Kopf, daß der Puder weit umherflog. Als dies der Bürgermeister sah, dachte er: "Ha,
jetzt hat er wieder seine körperlichen Zufälle!", sprang hinzu, packte ihn am Hals und band
ihm das Tuch etwas leichter; aber dadurch wurde es nur noch schlimmer mi t dem jungen
Mann; er sprach nicht mehr Deutsch, sondern eine ganz sonderbare Sprache, die niemand
verstand, und machte große Sprünge; der Bürgermeister war in Ve rzweiflung über diese
unangenehme Störung, er faßte daher den Entschluß, dem jungen Mann, dem etwas ganz
Besonderes zugestoßen sein mußte, das Halstuch vollends abzulösen. Aber kaum hatte er
dies getan, so blieb er vor Schrecken wie erstarrt stehen; denn statt menschlicher Haut und
Farbe umgab den Hals des jungen Menschen ein dunkelbraunes Fell, und alsobald setzte
derselbe auch seine Sprünge noch höher und sonderbarer fort, fuhr sich mit den glacierten
Handschuhen in die Haare, zog diese ab, und, o Wunder! diese schönen Haare waren eine
Perücke, die er dem Bürgermeister ins Gesicht warf, und sein Kopf erschien jetzt mit
demselben braunen Fell bewachsen.
Er setzte über Tische und Bänke, warf die Notenpulte um, zertrat Geigen und Klarinette, und
erschien wie ein Rasender. "Fangt ihn, fangt ihn", rief der Bürgermeister ganz außer sich, "er
ist von Sinnen, fangt ihn." Das war aber eine schwierige Sache, denn er hatte die
Handschuhe abgezogen und zeigte Nägel an den Händen, mit welchen er den Leuten ins
Gesicht fuhr und sie jämmerlich kratzte. Endlich gelang es einem mutigen Jäger, seiner
habhaft zu werden; er preßte ihm die langen Arme zusammen, daß er nur noch mi t den
Füßen zappelte, und mit heiserer Stimme lachte und schrie. Die Leute sammelten sich
umher, und betrachteten den sonderbaren jungen Herrn, der jetzt gar nicht mehr aussah wie
ein Mensch; aber ein gelehrter Herr aus der Nachbarschaft, der ein großes
Naturalienkabinett und allerlei ausgestopfte Tiere besaß, trat näher, betrachtete ihn genau,
und rief dann voll Verwunderung: "Mein Gott, verehrte Herren und Damen, wie bringen Sie
nur dies Tier in honette Gesellschaft, das ist ja ein Affe, der Homo Troglodytes Linnaei, ich
gebe sogleich sechs Taler für ihn, wenn Sie mir ihn ablassen, und bälge ihn aus für mein
Kabinett."
Wer beschreibt das Erstaunen der Grünwieseler, als sie dies hörten! "Was, ein Affe? Ein
Orang-Utan in unserer Gesellschaft? Der junge Fremde ein ganz gewöhnlicher Affe?" riefen
sie, und sahen einander ganz dumm vor Verwunderung an. Man wollte nicht glauben, man
traute seinen Ohren nicht, die Männer untersuchten das Tier genauer, aber es war und blieb
ein ganz natürlicher Affe.
"Aber wie ist dies möglich!" rief die Frau Bürgermeisterin, "hat er mir nicht oft seine Gedichte
vorgelesen? Hat er nicht, wie ein anderer Mensch, bei mir zu Mittag gespeist?"
"Was?" eiferte die Frau Doktorin; "wie? Hat er nicht oft und viel den Kaffee bei mir getrunken,
und mit meinem Mann gelehrt gesprochen und geraucht?"
"Wie ist es möglich!" riefen die Männer. "Hat er nicht mit uns am Felsenkeller Kugeln
geschoben und über Politik gestritten, wie unsereiner?"
"Und wie?" klagten sie alle. "hat er nicht sogar vorgetanzt auf unsern Bällen? Ein Affe! Ein
Affe? Es ist ein Wunder, es ist Zauberei!"
"Ja, es ist Zauberei und teuflischer Spuk", sagte der Bürgermeister, indem er das Halstuch
des Neffen oder Affen herbeibrachte. "Seht, in diesem Tuch steckte der ganze Zauber, der
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