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ihn in unsern Augen liebenswürdig machte; da ist ein breiter Streifen elastischen
Pergaments, mit allerlei wunderlichen Zeichen beschrieben; ich glaube gar, es ist Lateinisch;
kann es niemand lesen?" Der Oberpfarrer, ein gelehrter Mann, der oft an den Affen eine
Partie Schach verloren hatte, trat hinzu, betrachtete das Pergament und sprach: "Mitnichten!
es sind nur lateinische Buchstaben, es heißt:
'Der Affe sehr possierlich ist
Zumal wann er vom Apfel frißt.'
Ja, ja, es ist höllischer Betrug, eine Art von Zauberei", fuhr er fort, "und es muß exemplarisch
bestraft werden."
Der Bürgermeister war derselben Meinung, und machte sich sogleich auf den Weg zu dem
Fremden, der ein Zauberer sein mußte, und sechs Stadtsoldaten trugen den Affen; denn der
Fremde sollte sogleich ins Verhör genommen werden.
Sie kamen, umgeben von einer ungeheuren Anzahl Menschen, an das öde Haus; denn
jedermann wollte sehen, wie sich die Sache weiter begeben würde. Man pochte an das
Haus, man zog die Glocke, aber vergeblich, es zeigte sich niemand. Da ließ der
Bürgermeister in seiner Wut die Türe einschlagen, und begab sich hierauf in die Zimmer des
Fremden. Aber dort war nichts zu sehen, als allerlei alter Hausrat; der fremde Mann war
nicht zu finden. Auf seinem Arbeitstisch aber lag ein großer versiegelter Brief, an den
Bürgermeister überschrieben, den dieser auch so gleich öffnete. Er las:
"Meine lieben Grünwieseler!
Wenn Ihr dies leset, bin ich nicht mehr in Eurem Städtchen, und Ihr werdet dann längst
erfahren haben, wes Standes und Vaterlandes mein lieber Neffe ist. Nehmet den Scherz,
den ich mir mit Euch erlaubte, als eine gute Lehre auf, einen Fremden, der für sich leben will,
nicht in Eure Gesellschaft zu nötigen. Ich selbst fühlte mich zu gut, um Euer ewiges
Klatschen, um Eure schlechten Sitten und Euer lächerliches Wesen zu teilen. Darum erzog
ich einen jungen Orang-Utan, den Ihr, als meinen Stellvertreter, so liebgewonnen habt. Lebet
wohl und benützet diese Lehre nach Kräften."
Die Grünwieseler schämten sich nicht wenig vor dem ganzen Land; ihr Trost war, daß dies
alles mit unnatürlichen Dingen zugegangen sei. Am meisten schämten sich aber die jungen
Leute in Grünwiesel, weil sie die schlechten Gewohnheiten und Sitten des Affen nachgeahmt
hatten. Sie stemmten von jetzt an keinen Ellbogen mehr auf, sie schaukelten nicht mit dem
Sessel, sie schwiegen, bis sie gefragt wurden, sie legten die Brillen ab, und waren artig und
gesittet wie zuvor; und wenn je einer wieder in solche schlechte, lächerliche Sitten verfiel, so
sagten die Grünwieseler: "Es ist ein Affe." Der Affe aber, welcher so lange die Rolle eines
jungen Herrn gespielt hatte, wurde dem gelehrten Mann, der ein Naturalienkabinett besaß,
überantwortet; dieser läßt ihn in seinem Hof umhergehen, füttert ihn, und zeigt ihn als
Seltenheit jedem Fremden, wo er noch bis auf den heutigen Tag zu sehen ist.
Es entstand ein Gelächter im Saal, als der Sklave geendet hatte, und auch die jungen
Männer lachten mit. "Es muß doch sonderbare Leute geben unter diesen Franken, und
wahrhaftig, da bin ich lieber beim Scheik und Mufti in Alessandria, als in Gesellschaft des
Oberpfarrers, des Bürgermeisters und ihrer törichten Frauen in Grünwiesel!"
"Da hast du gewiß recht gesprochen", erwiderte der junge Kaufmann; "in Frankistan möchte
ich nicht tot sein. Die Franken sind ein rohes, wildes, barbarisches Volk, und für einen
gebildeten Türken oder Perser müßte es schrecklich sein, dort zu leben."
"Das werdet ihr bald hören", versprach der Alte; "soviel mir der Sklavenaufseher sagte, wird
der schöne, junge Mann dort vieles von Frankistan erzählen; denn er war lange dort, und ist
doch seiner Geburt nach ein Muselmann."
"Wie, jener, der zuletzt sitzt in der Reihe? Wahrlich, es ist eine Sünde, daß der Herr Scheik
diesen losgibt! Es ist der schönste Sklave im ganzen Land; schaut nur dieses mutige
Gesicht, dieses kühne Auge, diese schöne Gestalt. Er kann ihm ja leichte Geschäfte geben,
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