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dann, als wäre er zu Haus. Denn der alte Herr war gar ein sonderbarer Mann. Er hatte
Almansor Kleider machen lassen, wie sie vornehme Leute in Ägypten tragen. Diese Kleider
bewahrte er in seinem Hause in einem besonderen Zimmer auf. Kam nun Almansor, so
schickte er ihn mit einem Bedienten in jenes Zimmer und ließ ihn ganz nach seiner
Landessitte ankleiden. Von da an ging es dann nach "Kleinarabien"; so nannte man einen
Saal im Hause des Gelehrten.
Dieser Saal war mit allerlei künstlich aufgezogenen Bäumen, als Palmen, Bambus, junge
Zedern und dergleichen, und mit Blumen ausgeschmückt, die nur im Morgenland wachsen.
Persische Teppiche lagen auf dem Fußboden, und an den Wänden waren Polster, nirgends
aber ein fränkischer Stuhl oder Tisch. Auf einem dieser Polster saß der alte Professor; er sah
aber ganz anders aus, als gewöhnlich; um den Kopf hatte er einen feinen türkischen Shawl
als Turban gewunden, er hatte einen grauen Bart umgeknüpft, der ihm bis zum Gürtel reichte
und aussah, wie ein natürlicher, ehrwürdiger Bart eines gewichtigen Mannes. Dazu trug er
einen Talar, den er aus einem brokatnen Schlafrock hatte machen lassen, weite türkische
Beinkleider, gelbe Pantoffeln und, so friedlich er sonst war, an diesen Tagen hatte er einen
türkischen Säbel umgeschnallt, und im Gürtel stak ein Dolch mit falschen Steinen besetzt.
Dazu rauchte er aus einer zwei Ellen langen Pfeife und ließ sich von seinen Leuten
bedienen, die ebenfalls persisch gekleidet waren, und wovon die Hälfte Gesicht und Hände
schwarz gefärbt hatte.
Von Anfang wollte dies alles dem jungen Almansor gar verwunderlich bedünken, aber bald
sah er ein, daß solche Stunden, wenn er in die Gedanken des Alten sich fügte, sehr nützlich
für ihn seien. Durfte er beim Doktor kein ägyptisches Wort sprechen, so war hier die
fränkische Sprache sehr verboten. Almansor mußte beim Eintreten den Friedensgruß
sprechen, den der alte Perser sehr feierlich erwiderte; dann winkte er dem Jüngling sich
neben ihn zu setzen, und begann Persisch, Arabisch, Koptisch und alle Sprachen
untereinander zu sprechen, und nannte dies eine gelehrte morgenländische Unterhaltung.
Neben ihm stand ein Bedienter, oder, was sie an diesem Tage vorstellten, ein Sklave, der
ein großes Buch hielt; das Buch war aber ein Wörterbuch, und wenn dem Alten die Worte
ausgingen, winkte er dem Sklaven, schlug flugs auf, was er sagen wollte, und fuhr dann zu
sprechen fort.
Die Sklaven aber brachten in türkischem Geschirr Sorbet und dergleichen, und wollte
Almansor dem Alten ein großes Vergnügen machen, so mußte er sag en, es sei alles bei ihm
angeordnet, wie im Morgenland. Almansor las sehr schön Persisch, und das war der
Hauptvorteil für den Alten. Er hatte viele persische Manuskripte, aus diesen ließ er sich von
dem Jüngling vorlesen, las aufmerksam nach, und merkte sich auf diese Art die richtige
Aussprache.
Das waren die Freudentage des armen Almansor; denn nie entließ ihn der alte Professor
unbeschenkt, und oft trug er sogar kostbare Gaben an Geld oder Leinenzeug oder anderen
notwendigen Dingen davon, die ihm der Doktor nicht geben wollte. So lebte Almansor einige
Jahre in der Hauptstadt des Frankenlandes, und nie wurde seine Sehnsucht nach der
Heimat geringer. Als er aber etwa fünfzehn Jahre alt war, begab sich ein Vorfall, der auf sein
Schicksal großen Einfluß hatte.
Die Franken nämlich wählten ihren ersten Feldherrn, denselben, mit welchem Almansor so
oft in Ägypten gesprochen hatte, zu ihrem König und Beherrscher. Almansor wußte zwar und
erkannte es an den großen Festlichkeiten, daß etwas dergleichen in dieser großen Stadt
geschehe, doch konnte er sich nicht denken, daß der König derselbe sei, den er in Ägypten
gesehen; denn jener Feldherr war noch ein sehr junger Mann. Eines Tages aber ging
Almansor über eine jener Brücken, die über den breiten Fluß führen, der die Stadt
durchströmt; da gewahrte er in dem einfachen Kleid eines Soldaten einen Mann, der am
Brückengeländer lehnte, und in die Wellen sah. Die Züge dieses Mannes fielen ihm auf, und
er erinnerte sich, ihn schon gesehen zu haben. Er ging also schnell die Kammern seiner
Erinnerung durch, und als er an die Pforte der Kammer von Ägypten kam, da eröffnete sich
ihm plötzlich das Verständnis, daß dieser Mann jener Feldherr der Franken sei, mit welchem
er oft im Lager gesprochen, und der immer gütig für ihn gesorgt hatte; er wußte seinen
rechten Namen nicht genau, er faßte sich daher ein Herz, trat zu ihm, nannte ihn, wie ihn die
Soldaten unter sich nannten und sprach, indem er nach seiner Landessitte die Arme über
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