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"Hier ist meine Wohnung", entgegnete jener, "und ich will dich zu meiner Frau führen."
"Ei, da wohnst du schön!" fuhr Almansor fort, "gewiß hat dir der Sultan hier freie Wohnung
gegeben?"
"Diese Wohnung habe ich vom Kaiser, du hast recht", antwortete sein Begleiter und führte
ihn in das Schloß. Dort stiegen sie eine breite Treppe hinan, und in einem schönen Saal hieß
er ihn seinen Korb absetzen, und trat dann mit ihm in ein prachtvolles Gemach, wo eine Frau
auf einem Diwan saß. Der Mann sprach mit ihr in einer fremden Sprache , worauf sie beide
nicht wenig lachten, und die Frau fragte dann Almansor in fränkischer Sprache vieles über
Ägypten. Endlich sagte Petit-Caporal zu dem Jüngling: "Weißt du, was das beste ist? ich will
dich gleich selbst zum Kaiser führen, und bei ihm für dich sprechen."
Almansor erschrak sehr, aber er gedachte an sein Elend und seine Heimat: "Dem
Unglücklichen", sprach er zu den beiden, "dem Unglücklichen verleiht Allah einen hohen Mut
in der Stunde der Not, er wird auch mich armen Knaben nicht verlassen. Ich will es tun, ich
will zu ihm gehen. Aber sage, Caporal, muß ich vor ihm niederfallen, muß ich die Stirne mit
dem Boden berühren, was muß ich tun?"
Die beiden lachten von neuem und versicherten, dies alles sei nicht nö tig.
"Sieht er schrecklich und majestätisch aus, der Sultan?" fragte er weiter, "hat er einen langen
Bart? Macht er feurige Augen? Sage, wie sieht er aus?"
Sein Begleiter lachte von neuem und sprach dann: "Ich will dir ihn lieber gar nicht
beschreiben, Almansor, du selbst sollst erraten, welcher es ist. Nur das will ich dir als
Kennzeichen angeben: Alle im Saal des Kaisers werden, wenn er da ist, die Hüte ehrerbietig
abnehmen, der, welcher den Hut auf dem Kopf behält, der ist der Kaiser." Bei diesen Worten
nahm er ihn bei der Hand, und ging mit ihm nach dem Saal des Kaisers. Je näher er kam,
desto lauter pochte ihm das Herz, und die Knie fingen ihm an zu zittern, als sie sich der Türe
näherten. Ein Bedienter öffnete die Türe, und da standen in einem Halbkreis wenigstens
dreißig Männer, alle prächtig gekleidet, und mit Gold und Sternen überdeckt, wie es Sitte ist
im Lande der Franken bei den vornehmsten Agas und Bassas der Könige, und Almansor
dachte, sein Begleiter, der so unscheinbar gekleidet war, müsse der Geringsten einer sein
unter diesen. Sie hatten alle das Haupt entblößt, und Almansor fing nun an nach dem zu
suchen, der den Hut auf dem Kopf hätte; denn dieser mußte der Kaiser sein. Aber vergebens
war sein Suchen, alle hatten den Hut in der Hand, und der Kaiser mußte also nicht unter
ihnen sein; da fiel sein Blick zufällig auf seinen Begleiter und siehe - dieser hatte den Hut auf
dem Kopf sitzen!
Der Jüngling war erstaunt, betroffen. Er sah seinen Begleiter lange an und sagte dann,
indem er selbst seinen Hut abnahm; "Salem aleikum, Petit-Caporal! Soviel ich weiß, bin ich
selbst nicht der Sultan der Franken, also kommt es mir nicht zu, mein Haupt zu bedecken;
doch, du bist der, der den Hut trägt - Petit- Caporal, bist denn du der Kaiser?"
"Du hast's erraten", antwortete jener, "und überdies bin ich dein Freund. Schreibe dein
Unglück nicht mir, sondern einer unglücklichen Verwirrung der Umstände zu, und sei
versichert, daß du mit dem ersten Schiff in dein Vaterland zurücksegelst. Gehe jetzt wieder
hinein zu meiner Frau, erzähle ihr vom arabischen Professor und was du weißt. Die Heringe
und den Salat will ich dem Doktor schicken, du aber bleibst für deinen Aufenthalt in meinem
Palast."
So sprach der Mann, der Kaiser war; Almansor aber fiel vor ihm nieder, küßte seine Hand
und bat ihn um Verzeihung, daß er ihn nicht erkannt habe, er habe es ihm gewiß nicht
angesehen, daß er Kaiser sei.
"Du hast recht", erwiderte jener lachend, "wenn man nur wenige Tage Kaiser ist, kann man
es nicht an der Stirne geschrieben haben." So sprach er und winkte ihm, sich zu entfernen.
Seit diesem Tage lebte Almansor glücklich und in Freuden. Den arabischen Professor, von
welchem er dem Kaiser erzählte, durfte er noch einigemal besuchen, den Doktor aber sah er
nicht mehr. Nach einigen Wochen ließ ihn der Kaiser zu sich rufen und kündigte ihm an, daß
ein Schiff vor Anker liege, mit dem er ihn nach Ägypten senden wolle. Almansor war außer
sich vor Freude, wenige Tage reichten hin, um ihn auszurüsten, und mit einem Herzen voll
Dankes und mit Schätzen und Geschenken reich beladen, reiste er vom Kaiser ab ans Meer
und schiffte sich ein.
Aber Allah wollte ihn noch länger prüfen, wollte seinen Mut im Unglück noch länger stählen,
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