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Die Geschichte Almansors

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und ließ ihn die Küste seiner Heimat noch nicht sehen. Ein anderes fränkisches Volk, die Engländer, führten damals Krieg mit dem Kaiser auf der See. Sie na hmen ihm alle Schiffe weg, die sie besiegen konnten, und so kam es, daß am sechsten Tage der Reise das Schiff, auf welchem sich Almansor befand, von englischen Schiffen umgeben und beschossen wurde; es mußte sich ergeben, und die ganze Mannschaft wurde auf ein kleineres Schiff gebracht, das mit den andern weitersegelte. Doch, auf der See ist es nicht weniger unsicher als in der Wüste, wo unversehens die Räuber auf die Karawanen fallen, und totschlagen und plündern. Ein Kaper von Tunis überfiel das kleine Schiff, das der Sturm von den größeren Schiffen getrennt hatte und - es wurde genommen, und alle Mannschaft nach Algier geführt und verkauft. Almansor kam zwar nicht in so harte Sklaverei als die Christen, weil er ein rechtgläubiger Muselmann war, aber dennoch war jetzt wieder alle Hoffnung verschwunden, die Heimat und den Vater wiederzusehen. Dort lebte er bei einem reichen Mann fünf Jahre, und mußte die Blumen begießen und den Garten bauen. Da starb der reiche Mann ohne n ahe Erben, seine Besitzungen wurden zerrissen, seine Sklaven geteilt, und Almansor fiel in die Hände eines Sklavenmäklers. Dieser rüstete um diese Zeit ein Schiff aus, um seine Sklaven anderwärts teurer zu verkaufen. Der Zufall wollte, daß ich selbst ein Sklave dieses Händlers war, und auf dasselbe Schiff kam, wo auch Almansor sich befand. Dort lernten wir uns kennen, und dort erzählte er mir seine wunderbaren Schicksale. Doch - als wir landeten, war ich Zeuge der wunderbarsten Fügung Allahs; es war die Küste seines Vaterlandes, an welche wir aus dem Boot stiegen, es war der Markt seiner Vaterstadt, wo wir öffentlich ausgeboten wurden, und, o Herr! daß ich es kurz sage, es war sein eigener, sein teurer Vater, der ihn kaufte! Der Scheik Ali Banu war in tiefes Nachdenken versunken über diese Erzählung; sie hatte ihn unwillkürlich mit sich fortgerissen, seine Brust hob sich, sein Auge glühte, und er war oft nahe daran, seinen jungen Sklaven zu unterbrechen; aber das Ende der Erzählung schien ihn nicht zu befriedigen. "Er könnte jetzt einundzwanzig Jahre haben, sagst du?" so fing er an zu fragen. "Herr, er ist in meinem Alter, ein- bis zweiundzwanzig Jahre." "Und welche Stadt nannte er seine Geburtsstadt? Das hast du uns noch nicht gesagt." "Wenn ich nicht irre", antwortete jener, "so war es Alessandria!" "Alessandria!!" rief der Scheik; "es ist mein Sohn; wo ist er, wo ist er geblieben, sagtest du nicht, daß er Kairam hieß? Hat er dunkle Augen und braunes Haar?" "Er hat es, und in traulichen Stunden nannte er sich Kairam und nicht Almansor." "Aber, Allah, Allah! Sage mir doch, sein Vater hätte ihn vor deinen A ugen gekauft, sagst du; sagte er, es sei sein Vater? Also ist er doch nicht mein Sohn." Der Sklave antwortete: "Er sprach zu mir: 'Allah sei gepriesen nach so langem Unglück, das ist der Marktplatz meiner Vaterstadt'; nach einer Weile aber kam ein vornehmer Mann um die Ecke, da rief er: 'O was für ein teures Geschenk des Himmels sind die Augen! Ich sehe noch einmal meinen ehrwürdigen Vater!' Der Mann aber trat zu uns, betrachtete diesen und jenen, und kaufte endlich den, dem dies alles begegnet ist, da rief er Allah an, sprach ein heißes Dankgebet und flüsterte mir zu: 'Jetzt gehe ich wieder ein in die Hallen meines Glückes; es ist mein eigener Vater, der mich gekauft hat.'" "Es ist also doch nicht mein Sohn, mein Kairam!" sagte der Scheik, von Schmerz bewegt. Da konnte sich der Jüngling nicht mehr zurückhalten, Tränen der Freude entstürzten seinen Augen, er warf sich nieder vor dem Scheik und rief: "Und dennoch ist es Euer Sohn, Kairam Almansor; denn Ihr seid es, der ihn gekauft hat." "Allah, Allah! ein Wunder, ein großes Wunder!" riefen die Anwesenden und drängten sich herbei; der Scheik aber stand sprachlos und staunte den Jüngling an, der sein schönes Antlitz zu ihm aufhob. "Mein Freund Mustafa!" sprach er zu dem alten Derwisch, "vor meinen Augen hängt ein Schleier von Tränen, daß ich nicht sehen kann, ob die Züge seiner Mutter, die mein Kairam trug, auf seinem Gesicht eingegraben sind, trete du her und schaue ihn an." Der Alte trat herzu, sah ihn lange an, legte seine Hand auf die Stirne des jungen Mannes und sprach: "Kairam! Wie hieß der Spruch, den ich dir am Tage des Unglücks mitgab ins Lager der Franken?" "Mein teurer Lehrer!" antwortete der Jüngling, indem er die Hand des Alten an seine Lippen zog, "er hieß: So einer Allah liebt und ein gut Gewissen hat, ist er auch in der Wüste des
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
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